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Aktuelle Seite: Paternalismus
Marion Wisinger
14.05.2026

Die stärkste Waffe politischer Rhetorik ist eine Beschuldigung, die sprachlich eindrücklich ist und durch Wiederholung geglaubt wird. Um die allgemeine Aufmerksamkeit zu steigern, werden Begriffe gekapert und kontaminiert, sie sickern in den öffentlichen Raum und werden landläufig. „Messer-Migranten“ bevölkern die Schlagzeilen, „Staats-Funk“ wird zur geläufigen Vokabel. Wahr oder falsch sind keine Kategorien. Was zählt, ist der simultane Ausschlag auf der Gefühlsskala, bedrohlich, mächtig, dumpf. Derjenige Repräsentant des Volkes, der Feindbildern und Angstszenarien entschlossen entgegentritt, gewinnt Vertrauen und Wählerstimmen. Der Wettlauf um derart wirkungsvolle Schlagwörter zeigt sich deutlich an dem Adjektiv „geschichtsvergessen“.